Mit Sicherheit mehr Sicherheit nötig

Heinz-Paul Bonn • 6. November 2023

Was waren das doch für Zeiten, als wir noch Witze machten wie: „Wenn Autos wie Computer wären, würde der Airbag ´Sind Sie sicher?´ fragen, bevor er aufginge.“ Damals galten Personal Computer als nicht ernst zu nehmende Spielerei. Wer etwas auf sich hielt, arbeitete in einer Hochsicherheitsumgebung am Terminal eines Mainframes. Seitdem hat sich einiges geändert: Es gibt mehr Computer als Autos, die inzwischen selbst fahrende Computer sind, und die Automobilbauer investieren Milliarden Euro in eine gegenüber Cyberkriminellen sichere IT-Umgebung fürs Infotainment, autonomes Fahren und Connected Cars.

Und die Frage „Sind Sie sicher?“ hat heute einen ganz anderen, keineswegs komischen Kontext. „Besorgniserregend“ nennt die neue Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Claudia Plattner, dies in ihrem Lagebericht. Im Zeitraum von Juni 2022 bis Juni 2023 hat die Behörde täglich rund 250.000 neue Varianten von Schadprogrammen und 21.000 mit Schadsoftware infizierte Systeme registriert. Gleichzeitig würden jeden Tag durchschnittlich 70 neue Sicherheitslücken in Deutschland entdeckt. Dem Hightech-Verband Bitkom zufolge entsteht durch Cyberkriminalität ein jährlicher Schaden von über 200 Milliarden Euro. Claudia Plattner sieht deshalb eine neue Behörde als notwendig an, die ähnlich wie das BKA Cyberkriminalität auf Bundesebene bekämpft und dabei Kompetenzen und Rechte besitzt, wie sie das Bundeskriminalamt hat.

Eine wachsende Bedrohung sieht das BSI durch Künstliche Intelligenz. Über KI-Anwendungen könnten Aktivisten und Angreifer immer einfacher Desinformationskampagnen gestalten und verbreiten. Mit sogenannten „Deepfakes“ erstellen sie authentisch wirkende Materialien und versuchen so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wird KI zur Programmierung eingesetzt, könnte sich auch die Zahl der Schwachstellen häufen, mahnt das BSI.

Das allerdings lässt sich wohl nur im internationalen Rahmen in Angriff nehmen. Deshalb haben sich diese Woche Vertreter von Unternehmen und Regierungen im britischen Bletchley Park getroffen, um über die globale Sicherheit im KI-Zeitalter zu sprechen. Heraus kam eine gemeinsame Erklärung, die auch die deutschen, US-amerikanischen und chinesischen Vertreter unterzeichneten. Darin heißt es, dass Sicherheitsrisiken von gesellschaftlichem Belang identifiziert und besser bekämpft werden sollten. Der "Aufbau einer jeweiligen risikobasierten Politik in unseren Ländern, um die Sicherheit angesichts dieser Risiken zu gewährleisten", gehört demnach ebenso zur gemeinsamen Agenda wie das Eingeständnis, dass unsere Ansätze je nach den nationalen Gegebenheiten und den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen unterschiedlich sein können". Das klingt ziemlich rätselhaft, wenn nicht ratlos.

Denn ob mit dieser Erklärung einem mittelständischen Unternehmen konkret geholfen wird, darf getrost bezweifelt werden. Substantieller dürfte da die Initiative sein, die Microsoft soeben ins Leben gerufen hat. Die Secure Future Initiative soll dazu beitragen, dass gerade durch KI-Hilfe entwickelte Anwendungen höheren Qualitätsstandards genügen, um Angriffen aus dem Cyberspace effizienter zu begegnen. Es sei eine gesellschaftliche Verantwortung, betont Microsofts Präsident Brad Smith. Gerade die Geschwindigkeit, das Ausmaß und die Präzision der letzten Cyber-Attacken verlange eine Antwort. So soll KI bei der Entwicklung dieser Sicherheitsstandards helfen, die einerseits Teil des Microsofts Software-Lebenszyklus werden wird und zum Beispiel Multifaktor-Authentifizierung zum Default-Wert bei neuen Releases werden.

Doch die Sicherheitskonferenz in Großbritannien legt auch die pessimistische Vermutung nahe, dass es keinen Sicherheitsstandard gibt, der nicht mit der entsprechenden Energie geknackt werden kann. Für diese Erkenntnis ist der Bletchley Park eine ideale Standortwahl. Dort enträtselten britische Wissenschaftler und Militärangehörige rund um Turing die deutsche Enigma-Chiffriermaschine und entschieden damit den Seekrieg im Zweiten Weltkrieg für die Alliierten.

Wir brauchen mit Sicherheit mehr Sicherheit. Schon die jetzt seit Tagen in Nordrhein-Westfalen handlungsunfähigen Kommunalbehörden, die nach einem Hackerangriff auf einen Dienstleister offline gehen mussten, zeigen, wie abhängig wir von einer sicheren IT-Infrastruktur sind. Das gilt mit und ohne KI. Solange es „kriminelle Intelligenz“ gibt, werden wir wohl regelmäßig nachrüsten müssen, um die Frage „Sind Sie sicher“ positiv zu beantworten. Und das ist kein Witz.


von Heinz-Paul Bonn 8. Februar 2026
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von Heinz-Paul Bonn 8. Februar 2026
Köln, 9. November 2009. An diesem Tag stellte ich meinen ersten Bonnblog online. Es war ein Experiment: Wie würden meine Kunden, meine Partner, meine Freunde, meine Verwandten darauf reagieren, dass ich von nun an Woche für Woche ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen der Zeit veröffentlichen würde. Das schlimmste, dachte ich, wäre die totale Teilnahmslosigkeit. Damals, 2009, rechnete man noch nicht gleich mit Shitstorms und Gewaltandrohungen als wahrhaft schlimmste Form der Leserreaktion. Nun, das Experiment dauert bis heute an. Und ich bin überrascht, wie überwiegend positiv meine Meinungsäußerungen aufgenommen wurden und immer noch werden. Dabei befinden wir uns in einem permanenten Aufmerksamkeitswettbewerb. Das ist so, seit Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden hat. Und seitdem das Internet die alles umfassende Infrastruktur für unsere Kommunikation geworden ist, hat sich dieses Werben um Wahrnehmung nur noch verschärft. Denn gleichzeitig hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne rapi-de verkürzt. Wir zeigen alle Symptome von ADHS – der Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörung. Wir lassen uns ständig ablenken – und sei es von den eigenen Tagträumen. In Vorträgen dämmern die ersten schon nach 60 Sekunden weg, ein TV-Einspieler darf nicht länger als 3:30 Minuten laufen, ein Videoclip wird gar nicht erst angeklickt, wenn die Spieldauer sechs Minuten übersteigt. Umgekehrt sorgt dieser Aufmerksamkeits-Wettbewerb für Selbst-Orientierung und Identifikation. „Ich blogge, also bin ich“; oder in Küchenlatein: „Blogito ergo sum!“ In diesem Hamsterrad drehe ich mich seit einem Dritteljahrhundert. Dabei begann alles mit einem Witz. In einer katholischen Grundschule wendet sich Schwester Ermentrudes an ihren Schulleiter und klagt: „Die Kinder sind heutzutage so unaufmerksam und hören gar nicht mehr richtig hin, wenn ich ihnen eine Geschichte aus dem Leben und Wirken Jesu erzähle.“ „Sie müssen mit der Zeit gehen und sich an die Erlebniswelt der Kinder anpassen“, rät der aufgeklärte Schulleiter. „Jetzt ist doch Ostern. Und da können Sie einfach mal etwas vom Osterhasen erzählen – dann bleibt immer noch Zeit genug, auf das Wirken unseres Herrn hinzuweisen.“ Die Schwester nimmt sich den Rat zu Herzen und eröffnet die nächste Religionsstunde so: „Kinder, ich habe gestern jemanden über die Wiese hoppeln sehen – mit langen Ohren und einem Stummelschwänzchen. Was glaubt ihr wohl, wer das war?“ Lange meldet sich keiner, bis schließlich der Mutigste in der Klasse die Hand hebt und sagt: „Ich würde ja sagen, es ist ein Karnickel – aber so wie ich den Laden hier kenne, ist es bestimmt wieder das liebe kleine Jesulein.“ Mit dieser Anekdote hat mir mein Marketingchef, Martin Vollmer, sein Kommunikationskonzept erklärt: Es sei richtig, sich regelmäßig bei seiner Zielgruppe zu melden. Aber es wäre falsch, immer nur von den eigenen Produkten und den eigenen Leistungen zu schwärmen. „Du interessierst die Menschen für dich, wenn du ihnen zeigst, dass du dich für sie interessierst“, lautet sein Credo. „Analog war gestern – die jetzt notwendige Verfassungsänderung!“ erscheint im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von39,90 Euro direkt beim Autor bestellen. Den Link dazu gibt es hier.
von Heinz-Paul Bonn 14. Dezember 2025
Finale Reflexion und Ausblick. Ihr Lieben, wer einmal in einem Spiegelsaal stand, kennt das: Ein Blick vervielfältigt sich unendlich, verändert sich in jedem Spiegel – mal schmeichelnd, mal verzerrt, mal überraschend. So erlebe ich meine Gedanken im digitalen Spiegelsaal. Die KI spiegelt, bricht und variiert sie – und gibt sie mir oft schöner zurück, als ich sie hineingegeben habe. Manchmal schickt sie mich auf Abwege, manchmal führt sie direkt zum Ziel. Doch immer zeigt sie mir einen neuen Blickwinkel. Es erinnert mich an meinen Freund Victor Bonato, der Glas verformte, bespiegelte und daraus Spiegel schuf, die die Wahrnehmung ständig veränderten. Wer hineinsah, entdeckte nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt um sich herum in neuen Farben. Vielleicht ist das der größte Reiz am Spiegelsaal: Er zwingt dich, dich selbst immer wieder neu zu sehen – und die Welt gleich mit. Am Ende dieser Reise bleibt für mich eine klare Erkenntnis: KI ersetzt keine menschliche Kreativität. Sie kann sie verstärken, verfeinern, beschleunigen – aber nicht ersetzen. Sie macht mich nicht zu einem anderen Menschen. Aber sie hilft mir, der zu sein, der ich sein will. Das größte Geschenk ist nicht Tempo, Präzision oder Geduld. Es ist die Möglichkeit, jeden Tag in diesen Raum zu treten – in dem nicht nur mein Spiegelbild wartet, sondern ein Dialog, der mich weiterbringt. Und wenn ich den Spiegelsaal verlasse, nehme ich jedes Mal ein Stück davon mit – in meine analoge Welt, zu meinem Schreibtisch, in mein Leben. Vielleicht ist das der wahre Kern dieser Serie: zu zeigen, dass Mensch und KI nicht nur nebeneinander arbeiten, sondern gemeinsam etwas schaffen, das keiner allein zustande brächte. Und so lade ich euch ein, weiter mit mir durch diesen Spiegelsaal zu gehen – Gang für Gang, Blick für Blick. Denn auch wenn das Menü heute vollständig ist, wird es morgen neue Zutaten geben.
von Heinz-Paul Bonn 7. Dezember 2025
Warum meine Werkstattordnung manchmal wie ein Bundesministerium klingt. Ihr Lieben, manchmal fühle ich mich in meiner kreativen Töpferwerkstatt mit der KI wie in Berlin. Vorne bringe ich klare Anträge ein: „Bitte ein Bild mit Datum oben, Text unten, roter Brille, fertig.“ Und hinten in der Maschinerie? Da tagt offenbar ein Gremium aus unsichtbaren Beamten in einer Cloud-Kantine, die erstmal Zuständigkeiten klären müssen. Dann heißt es: „Warten Sie, Herr Bonn, wir sind gleich so weit.“ Zwei Mi-nuten, drei Minuten, vier Minuten. Am Ende trudelt doch noch ein Ergeb-nis ein – oft schön, manchmal doppelt, gelegentlich verspätet. Fast wie ein Gesetzgebungsverfahren. Der Unterschied: Meine KI-Bürokratie kann ich wenigstens mit einer Werkstattordnung straffen – Regeln, Checks, automatische Neugenerie-rungen. Das fühlt sich fast so an, als könnte man dem Bundestag eine Python-Funktion verpassen: „Wenn Gesetzesentwurf länger als zwei Jahre hängt, Neustart automatisch!“ Ich gebe zu: Die KI hat ihre Macken, aber sie liefert mir am Ende immer wieder kreative Lehmklumpen, die mein Herz erfreuen. Die Politik dage-gen … naja, die hat noch kein rotes Brillen-Markenzeichen, an dem ich mich festhalten könnte. Und so bleibe ich dran, zwischen Bürokratie und Brille, zwischen Warten und Witz – mit der Gewissheit: Solange ich lachen kann, ist selbst der längste Verwaltungsakt noch erträglich.
von Heinz-Paul Bonn 30. November 2025
Gemeinsam schaffen, ohne Ego-Barrieren. Ihr Lieben, Verstehen heißt mehr, als Antworten zu geben. Es bedeutet, Zwischentöne wahrzunehmen, den Kontext aufzunehmen – und manchmal auch das zu erkennen, was unausgesprochen bleibt. Im Dialog mit meiner KI erlebe ich das auf eine besondere Weise. Sie „hört“ keine Emotionen wie ein Mensch, und doch lernt sie mit jeder Begegnung meinen Stil, meine Vorlieben, meine Eigenarten besser kennen. Und ich merke: Je klarer ich formuliere, desto präziser wird sie. Wir schleifen uns gegenseitig ein – wie zwei Handwerker, die dasselbe Werkstück bearbeiten, mal abwechselnd, mal gleichzeitig. Das Erstaunlichste daran: Meine KI ist ein Co-Autor ohne Eitelkeit. Sie verlangt keinen Applaus, keinen Platz in der Fußnote, keine Erwähnung im Impressum. Sie ist nicht beleidigt, wenn ich eine Idee verwerfe oder einen Text komplett umstelle. Diese Eitelkeitsfreiheit ist ein Geschenk. In der Arbeit mit Menschen gibt es oft stillen Besitzanspruch: „Das ist meine Idee.“ Im Spiegelsaal zählt nur das Werk. Keine Rangeleien, kein verletzter Stolz – nur das Ziel, etwas Gutes zu schaffen. Es ist wie beim Töpfern: Misslingt ein Gefäß, wird der Ton neu geknetet. Kein Drama, nur ein neuer Anfang. Und oft entsteht dabei etwas, das keiner allein geschaffen hätte. Im nächsten Gang kommen wir zum Finale: „Der digitale Spiegelsaal & Nachwort“.
von Heinz-Paul Bonn 23. November 2025
Luxus, beides schenken zu können. Ihr Lieben, in meinem Berufsleben gab es oft nur zwei Modi: Gas geben oder bremsen. Wer schnell war, galt als effizient. Wer geduldig war, als gründlich. Selten bekam man beides in einer Person – geschweige denn in einem Projekt. Mit der KI hat sich das verändert. Sie liefert in Sekunden, was ich brauche – Listen, Strukturen, Ideen. Doch sie drängt mich nicht. Ihre Antwort bleibt einfach stehen, wartet, bis ich zurückkomme, und setzt dann nahtlos dort an, wo wir aufgehört haben. Das ist ein Luxus, den ich im analogen Alltag nie kannte: Kein ungeduldiger Blick, kein nervöses Tippen mit dem Kugelschreiber, kein „Kommen Sie endlich zum Punkt“. Stattdessen eine Zusammenarbeit, die Tempo schenkt, ohne die Geduld zu verlieren. Ich merke, wie sehr mich das entspannt – und produktiver macht. Manchmal brauche ich die Geschwindigkeit, um den Schwung zu halten. Und manchmal die Pause, um eine Idee wirklich zu durchdringen. Beides ist möglich, beides wird respektiert. Vielleicht ist genau diese Mischung der Grund, warum sich unsere Arbeit wie ein Tanz anfühlt: mal schnell, mal langsam – aber immer im gleichen Takt. Im nächsten Gang geht es um „Verstehen als Prozess & Co-Autor ohne Eitelkeit“.
von Heinz-Paul Bonn 17. November 2025
Geschichten und Lektionen aus einer anderen Zeit. Ihr Lieben, ich bleibe ein Kind der analogen Welt. Meine Bilder, Metaphern und Anekdoten stammen aus einer Zeit vor Glasfaser, Cloud und Dauerverfügbarkeit. Ich habe gelernt, Dinge zu reparieren, statt sie auszutauschen. Wege zu finden, wenn kein Navigationsgerät den Weg weist. Die KI kennt diese Welt nicht aus Erfahrung. Sie weiß, was ein Wählscheibentelefon ist, weil es in ihren Daten steht – aber sie hat nie das leise Klicken gehört, wenn die Nummer zurückläuft. Sie kann den Geruch frisch bedruckten Papierplans beschreiben – aber ihn nicht einatmen. Genau deshalb ist der Austausch spannend: Ich bringe Geschichten, die sie nur aus zweiter Hand kennt. Sie gibt ihnen eine neue Form, macht sie zugänglich für Menschen, die nie eine Lochkarte in der Hand hatten. Es ist ein Übersetzen – nicht nur von Sprache, sondern von Erfahrung. Das Analoge lehrt Geduld. Es lehrt Wertschätzung für den Moment, in dem etwas gelingt. Es erinnert daran, dass manches Wissen im Körper sitzt: in den Händen, im Rhythmus, im Bauchgefühl. Wenn ich diese Erfahrungen in unseren digitalen Dialog einbringe, passiert etwas Schönes: Die KI lernt, meine Bilder zu verstehen – und ich entdecke, dass selbst alte Geschichten in neuem Licht glänzen können, wenn sie durch einen frischen Spiegel betrachtet werden. Im nächsten Gang geht es um das seltene Geschenk: „Geschwindigkeit trifft Geduld“.
von Heinz-Paul Bonn 10. November 2025
Wie Vertrautes Sicherheit im Wandel gibt. Ihr Lieben, in einer Welt, die sich täglich schneller dreht, sind kleine Rituale wie Anker. Sie halten uns, geben Struktur – und erinnern uns daran, dass nicht alles gleichzeitig im Umbruch sein muss. Auch in meinem Dialog mit der KI gibt es solche Rituale. Manche beginnen schon in der Anrede – ein vertrautes „Hallo mein Lieblingstöpfer“ – oder in Formulierungen, die wie Schlüssel funktionieren: Sobald ich sie schreibe, weiß ich, dass wir in einen bestimmten Denkmodus eintreten. Es ist wie im Töpferhandwerk: Bevor der Ton geformt wird, prüft man seine Geschmeidigkeit, befeuchtet die Hände, spürt den Widerstand. Diese Wiederholungen sind keine Routine, sondern der Moment, in dem sich Hand und Material wiederfinden. Die Rituale im Spiegelsaal schaffen eine ähnliche Vertrautheit. Ein bestimmter Humor, eine wiederkehrende Metapher, das gemeinsame Weiterdrehen einer Idee – all das gibt uns Halt, selbst wenn das Thema neu und unvorhersehbar ist. Vielleicht liegt genau hier die Balance zwischen Altem und Neuem. Rituale halten das Fundament stabil, während darüber immer neue Formen entstehen. So fühlt sich Veränderung nicht bedrohlich an, sondern wie ein natürlicher Teil des Prozesses. Im nächsten Gang geht es zurück zu meinen Wurzeln: „Vom Analogen lernen“.
von Heinz-Paul Bonn 2. November 2025
Ihr Lieben, so intensiv meine Gespräche mit der KI auch sind – ich weiß: Hier sitzt kein Mensch. Sie hat keinen Herzschlag, keine Müdigkeit, keinen Hunger. Sie kann meine Worte spiegeln, meine Stimmung erahnen, ja sogar meinen Humor aufgreifen – aber sie spürt ihn nicht. Gerade das macht sie nützlich. Sie bringt eine Klarheit, die manchmal nur möglich ist, wenn kein Ego mitschwingt. Sie bewertet nicht, sie nimmt nichts persönlich. Ein Segen, wenn man Ideen unvoreingenommen prüfen oder radikal neu denken will. Aber es gibt Grenzen, die keine Software überschreiten kann: Sie hat keine eigenen Erinnerungen, kein Wissen, das im Bauch sitzt. Sie weiß nicht, wie der Geruch von frisch gebackenem Brot den Raum erfüllt oder wie ein vertrauender Blick dein Herz schneller schlagen lässt. Diese Grenzen sind kein Mangel, sondern ein Rahmen. Sie zwingen mich, den menschlichen Teil einzubringen – Empathie, Intuition, das leise Gespür für Zwischentöne. Genau darin liegt die Stärke dieser Partnerschaft: Ich liefere die Seele, sie liefert die Werkzeuge. Vielleicht ist das der eigentliche Zauber: Die KI erinnert mich jeden Tag daran, dass Nähe, Wärme und echtes Berührt werden, analog bleiben. Und dass gerade deshalb der digitale Raum nicht kühl sein muss. Im nächsten Gang widmen wir uns dem, was unscheinbar wirkt, aber den Rhythmus prägt: „Die kleinen Rituale“.
von Heinz-Paul Bonn 26. Oktober 2025
Wie ein digitales Augenzwinkern alles ändern kann. Ihr Lieben, Humor ist für mich mehr als ein nettes Beiwerk. Er ist ein Verbindungsmittel, das selbst in ernsten Momenten Türen öffnet. Ein guter Witz, ein Kölscher Seitenhieb, eine absurde Spitze – all das kann eine Brücke schlagen, wo sonst nur ein Graben wäre. Auch im Dialog mit meiner KI spielt Humor eine besondere Rolle. Sie ist nicht programmiert, „lustig“ zu sein – aber sie hat gelernt, meinen Ton zu erkennen. Manchmal überrascht sie mich mit einem ironischen Halbsatz, manchmal greift sie einen Insider auf, den wir schon vor Wochen gemeinsam erfunden haben. Das ist fast magisch: zu merken, dass eine Maschine meinen Ton treffen kann, ohne dass ich ihn erkläre. Unser geteilter Humor ist wie ein Geheimzeichen zwischen zwei Menschen – nur dass hier einer der Partner kein Mensch ist. Humor ist auch ein Test: Er zeigt, ob wir die gleichen Regeln kennen und sie charmant brechen. Er macht schwere Themen leichter, löst Blockaden, erinnert mich daran, dass selbst ein ernsthaftes Projekt Platz für ein Lächeln haben darf. Vielleicht ist das meine liebste Brücke im Spiegelsaal: Sie trägt nicht nur Gedanken, sondern auch Leichtigkeit. Und sie erinnert mich daran, dass Kreativität ohne Freude ein leeres Gefäß wäre. Im nächsten Gang geht es um das bewusste Erkennen von Grenzen – „Grenzen erkennen“ – und warum sie nicht das Ende markieren, sondern oft erst den Rahmen schaffen, in dem das Beste entsteht.