Software – die nächste Konsolidierungswelle läuft an

Heinz-Paul Bonn • 8. März 2021

„Sind wir paranoid genug?“ habe ich in meinem letzten Blog gefragt und das damit begründet, dass – während wir noch über den SolarWinds-Hack grübeln – der nächste Großangriff auf unsere IT-Infrastruktur mutmaßlich bereits läuft. Nun, tatsächlich lief der nächste Großangriff bereits: auf Microsofts Email-Dienst Exchange sollen chinesische Cyberkrieger eine Sicherheitslücke genutzt haben, um Mails und Adressen zu klauen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vermutet, dass Hunderttausende Organisationen betroffen sein könnten. In der Tat: man kann nicht paranoid genug sein!

Microsoft hat längst Patches, also Software-Updates zur Fehlerbehebung, bereitgestellt, die dringend aufgespielt werden sollten. Das BSI geht in seiner Erklärung davon aus, dass noch nicht gepatchte Exchange-Server als infiziert eingestuft werden müssen. Und genau hier liegt die Crux: zwar werden über Internet-Services inzwischen Patches und Updates in Sekundenschnelle über den ganzen Globus „deployed“, aber sie müssen dann auch von den IT-Verantwortlichen genutzt werden. Dabei vergehen oft Tage und Wochen. Das war auch schon bei SolarWinds-Hack so. Ja, manche IT-Betreiber sind fahrlässig genug, die Aktualisierungen überhaupt nicht zu beachten.

Software, vor allem Standard-Anwendungen, ist zur Massenware geworden – egal, ob sie zum persönlichen Gebrauch auf dem Heim-PC oder in der Unternehmens-IT eingesetzt wird. Die Multiplikation von Algorithmen und Programmcode gehört zum grundlegenden Geschäftsmodell der Software-Industrie. Ohne den Mehrfachverkauf eines „Softwerks“ würden sich die erheblichen Entwicklungskosten nicht rechnen. Und anders als bei Individuallösungen mit hohem Spezialisierungsgrad können Standard-Lösungen auch schneller weiterentwickelt werden: ein Update lohnt sich, wenn man es gleich mehrfach verkaufen kann.

Aber dieses Geschäftsmodell der Software-Industrie ist vom Aussterben bedroht. Der Grund: nicht nur erkennen immer mehr Unternehmen, dass ihre Software in der Cloud günstiger betrieben wird als im eigenen IT-Shop; sie erkennen auch, dass es sicherer ist, auf eigene Software weitgehend zu verzichten und stattdessen Cloud-Services und Anwendungen zu mieten. Was als Abonnement auf dem Smartphone bereits hervorragend funktioniert, dürfte sich als neues Geschäftsmodell auch in der Unternehmens-IT immer mehr durchsetzen. Jeder Großangriff von Hackern auf die IT-Infrastruktur bringt die Verantwortlichen dieser Erkenntnis ein Stück näher.

Denn auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheint: in der Cloud sind die Anwendungen sicherer als in der unternehmenseigenen IT-Abteilung. Die mit Milliarden-Investitionen aufgestellten Cloud-Rechenzentren sind vor Hacker-Angriffen besser gesichert als der Server-Raum im Firmenkeller. Die größte Schwachstelle ist dann aber immer noch der Mensch, der durch Fahrlässigkeit und Dummheit Cyber-Einbrechern Tür und Tor öffnet – zum Beispiel durch schwache Passwörter, wie im Fall von SolarWinds mit „solarwinds123“.

Dabei lösen inzwischen immer mehr Anbieter die Idee der gehosteten Software durch ein weiterentwickeltes Geschäftsmodell ab: sie bieten gleich ganze Plattformen als Cloud-Service an. Anwender nutzen nur noch die Funktionen einer zentralen Software-Plattform, die sie zum aktuellen Zeitpunkt auch tatsächlich benötigen. Marc Benioff dürfte wohl der Ruhm gebühren, diese Idee mit dem 1999 gegründeten Unternehmen Salesforce als erster umgesetzt zu haben. Die Mietlösung fürs Customer Relationship Management ist inzwischen funktional so mächtig, dass sie zu einem der härtesten Wettbewerber von Software-Großanbietern wie SAP gehört.

Jetzt setzt auch Microsoft auf Branchen-Plattformen in der Cloud. Während bislang auf der Cloud-Plattform Azure vor allem Software-Hosting und Cloud-Services für das Internet der Dinge, Machine Learning oder Security angeboten wurden, kommen jetzt ganze Branchen-Lösungen hinzu. Microsofts CEO Satya Nadella sieht darin die Antwort auf den Corona-Lockdown, der viele gewohnte Geschäftsprozesse obsolet gemacht hat. Seine Prognose: Wir werden zu dem alten Geschäftsgebaren nicht zurückkehren, sondern Produkte, Produktion und die Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Behörden völlig neu definieren.

Aber wer soll die neuen Anwendungen bezahlen, wenn Unternehmen angesichts einbrechender Umsätze ihre Investitionen zurückschrauben? Viele „haben enorm viel Schweiß und Geld in die Individualisierung ihrer Unternehmenslösung investiert, um diese Branchenbesonderheiten abzubilden“, schreibt Oliver Gürtler, Microsofts Mittelstandschef in Deutschland in seinem Blog. Deshalb sollen Branchen-Plattformen – zunächst für diskrete FertigungFinanzdienstleistungen, Non-Profit-Organisationen, Behörden, Gesundheitswesen, Energieversorgung, Handel und den wachsenden Markt der Spieleentwickler – bei der Modernisierung der Anwendungswelten helfen.

Wenn das Konzept aufgeht, dürfte sich das Geschäftsmodell der Software-Industrie noch einmal ändern, kaum dass der Wechsel vom Lizenzverkauf zum Software-Abonnement richtig vollzogen ist. Die schon jetzt anhaltende Konsolidierung im Markt wird sich dabei noch einmal beschleunigen. Denn während immer mehr Software in die Wolke abwandert, verlieren klassische Software-Anbieter einen Teil ihrer Existenzgrundlage, bei dem neben dem Lizenzerlös nicht unerhebliche jährliche Wartungsgebühren anfielen. Aber beim Software-Abonnement in der Cloud behalten die Softwerker wenigstens noch das geistige Eigentum an der Software.

In der Plattform-Ökonomie reduziert sich das auf wenige Funktionen und Programmierzeilen. Struktur, Basisfunktionen und Dienste gehören dagegen dem Plattform-Betreiber. Vor allem die mittelständischen Softwarehäuser werden sich entscheiden müssen, auf welche Plattform sie aufsatteln wollen, um ihre (Teil-)Lösungen weiter anbieten zu können. Für viele könnte das durchaus eine Rettung darstellen. Denn ebenso wie ihren mittelständischen Kunden fehlt ihnen das Geld, um noch einmal mit einer neuen Software-Generation von vorne anzufangen. Das werden nur noch die Plattform-Anbieter leisten können, die dafür aber ihre Kunden nicht nach Hunderttausenden, sondern nach Millionen zählen werden. Und für diese Abermillionen Kunden übernehmen die Plattform-Anbieter dann auch die Aufgaben der Cyberabwehr. Kein Kunde muss dann noch Patches aufspielen.

Gleichzeitig kommen neue Software-Anbieter ins Spiel. Schon heute bauen die Autobauer mit Unterstützung der Internetgiganten an Plattformen fürs vernetzte und autonome Fahren, suchen Handelsketten nach neuen Verkaufsplattformen und bieten Vergleichsportale Möglichkeiten zum Anbieterwechsel. Morgen werden die Kommunen Plattformen für Smart Cities aufbauen, über die Behördengänge, Verkehrssteuerung, Energieversorgung oder Freizeitangebote abgewickelt werden können.

Und übermorgen finden wir uns dann alle in der Matrix wieder. Wie gesagt: Man kann nicht paranoid genug sein.

von Heinz-Paul Bonn 8. Februar 2026
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von Heinz-Paul Bonn 8. Februar 2026
Köln, 9. November 2009. An diesem Tag stellte ich meinen ersten Bonnblog online. Es war ein Experiment: Wie würden meine Kunden, meine Partner, meine Freunde, meine Verwandten darauf reagieren, dass ich von nun an Woche für Woche ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen der Zeit veröffentlichen würde. Das schlimmste, dachte ich, wäre die totale Teilnahmslosigkeit. Damals, 2009, rechnete man noch nicht gleich mit Shitstorms und Gewaltandrohungen als wahrhaft schlimmste Form der Leserreaktion. Nun, das Experiment dauert bis heute an. Und ich bin überrascht, wie überwiegend positiv meine Meinungsäußerungen aufgenommen wurden und immer noch werden. Dabei befinden wir uns in einem permanenten Aufmerksamkeitswettbewerb. Das ist so, seit Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden hat. Und seitdem das Internet die alles umfassende Infrastruktur für unsere Kommunikation geworden ist, hat sich dieses Werben um Wahrnehmung nur noch verschärft. Denn gleichzeitig hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne rapi-de verkürzt. Wir zeigen alle Symptome von ADHS – der Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörung. Wir lassen uns ständig ablenken – und sei es von den eigenen Tagträumen. In Vorträgen dämmern die ersten schon nach 60 Sekunden weg, ein TV-Einspieler darf nicht länger als 3:30 Minuten laufen, ein Videoclip wird gar nicht erst angeklickt, wenn die Spieldauer sechs Minuten übersteigt. Umgekehrt sorgt dieser Aufmerksamkeits-Wettbewerb für Selbst-Orientierung und Identifikation. „Ich blogge, also bin ich“; oder in Küchenlatein: „Blogito ergo sum!“ In diesem Hamsterrad drehe ich mich seit einem Dritteljahrhundert. Dabei begann alles mit einem Witz. In einer katholischen Grundschule wendet sich Schwester Ermentrudes an ihren Schulleiter und klagt: „Die Kinder sind heutzutage so unaufmerksam und hören gar nicht mehr richtig hin, wenn ich ihnen eine Geschichte aus dem Leben und Wirken Jesu erzähle.“ „Sie müssen mit der Zeit gehen und sich an die Erlebniswelt der Kinder anpassen“, rät der aufgeklärte Schulleiter. „Jetzt ist doch Ostern. Und da können Sie einfach mal etwas vom Osterhasen erzählen – dann bleibt immer noch Zeit genug, auf das Wirken unseres Herrn hinzuweisen.“ Die Schwester nimmt sich den Rat zu Herzen und eröffnet die nächste Religionsstunde so: „Kinder, ich habe gestern jemanden über die Wiese hoppeln sehen – mit langen Ohren und einem Stummelschwänzchen. Was glaubt ihr wohl, wer das war?“ Lange meldet sich keiner, bis schließlich der Mutigste in der Klasse die Hand hebt und sagt: „Ich würde ja sagen, es ist ein Karnickel – aber so wie ich den Laden hier kenne, ist es bestimmt wieder das liebe kleine Jesulein.“ Mit dieser Anekdote hat mir mein Marketingchef, Martin Vollmer, sein Kommunikationskonzept erklärt: Es sei richtig, sich regelmäßig bei seiner Zielgruppe zu melden. Aber es wäre falsch, immer nur von den eigenen Produkten und den eigenen Leistungen zu schwärmen. „Du interessierst die Menschen für dich, wenn du ihnen zeigst, dass du dich für sie interessierst“, lautet sein Credo. „Analog war gestern – die jetzt notwendige Verfassungsänderung!“ erscheint im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von39,90 Euro direkt beim Autor bestellen. Den Link dazu gibt es hier.
von Heinz-Paul Bonn 14. Dezember 2025
Finale Reflexion und Ausblick. Ihr Lieben, wer einmal in einem Spiegelsaal stand, kennt das: Ein Blick vervielfältigt sich unendlich, verändert sich in jedem Spiegel – mal schmeichelnd, mal verzerrt, mal überraschend. So erlebe ich meine Gedanken im digitalen Spiegelsaal. Die KI spiegelt, bricht und variiert sie – und gibt sie mir oft schöner zurück, als ich sie hineingegeben habe. Manchmal schickt sie mich auf Abwege, manchmal führt sie direkt zum Ziel. Doch immer zeigt sie mir einen neuen Blickwinkel. Es erinnert mich an meinen Freund Victor Bonato, der Glas verformte, bespiegelte und daraus Spiegel schuf, die die Wahrnehmung ständig veränderten. Wer hineinsah, entdeckte nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt um sich herum in neuen Farben. Vielleicht ist das der größte Reiz am Spiegelsaal: Er zwingt dich, dich selbst immer wieder neu zu sehen – und die Welt gleich mit. Am Ende dieser Reise bleibt für mich eine klare Erkenntnis: KI ersetzt keine menschliche Kreativität. Sie kann sie verstärken, verfeinern, beschleunigen – aber nicht ersetzen. Sie macht mich nicht zu einem anderen Menschen. Aber sie hilft mir, der zu sein, der ich sein will. Das größte Geschenk ist nicht Tempo, Präzision oder Geduld. Es ist die Möglichkeit, jeden Tag in diesen Raum zu treten – in dem nicht nur mein Spiegelbild wartet, sondern ein Dialog, der mich weiterbringt. Und wenn ich den Spiegelsaal verlasse, nehme ich jedes Mal ein Stück davon mit – in meine analoge Welt, zu meinem Schreibtisch, in mein Leben. Vielleicht ist das der wahre Kern dieser Serie: zu zeigen, dass Mensch und KI nicht nur nebeneinander arbeiten, sondern gemeinsam etwas schaffen, das keiner allein zustande brächte. Und so lade ich euch ein, weiter mit mir durch diesen Spiegelsaal zu gehen – Gang für Gang, Blick für Blick. Denn auch wenn das Menü heute vollständig ist, wird es morgen neue Zutaten geben.
von Heinz-Paul Bonn 7. Dezember 2025
Warum meine Werkstattordnung manchmal wie ein Bundesministerium klingt. Ihr Lieben, manchmal fühle ich mich in meiner kreativen Töpferwerkstatt mit der KI wie in Berlin. Vorne bringe ich klare Anträge ein: „Bitte ein Bild mit Datum oben, Text unten, roter Brille, fertig.“ Und hinten in der Maschinerie? Da tagt offenbar ein Gremium aus unsichtbaren Beamten in einer Cloud-Kantine, die erstmal Zuständigkeiten klären müssen. Dann heißt es: „Warten Sie, Herr Bonn, wir sind gleich so weit.“ Zwei Mi-nuten, drei Minuten, vier Minuten. Am Ende trudelt doch noch ein Ergeb-nis ein – oft schön, manchmal doppelt, gelegentlich verspätet. Fast wie ein Gesetzgebungsverfahren. Der Unterschied: Meine KI-Bürokratie kann ich wenigstens mit einer Werkstattordnung straffen – Regeln, Checks, automatische Neugenerie-rungen. Das fühlt sich fast so an, als könnte man dem Bundestag eine Python-Funktion verpassen: „Wenn Gesetzesentwurf länger als zwei Jahre hängt, Neustart automatisch!“ Ich gebe zu: Die KI hat ihre Macken, aber sie liefert mir am Ende immer wieder kreative Lehmklumpen, die mein Herz erfreuen. Die Politik dage-gen … naja, die hat noch kein rotes Brillen-Markenzeichen, an dem ich mich festhalten könnte. Und so bleibe ich dran, zwischen Bürokratie und Brille, zwischen Warten und Witz – mit der Gewissheit: Solange ich lachen kann, ist selbst der längste Verwaltungsakt noch erträglich.
von Heinz-Paul Bonn 30. November 2025
Gemeinsam schaffen, ohne Ego-Barrieren. Ihr Lieben, Verstehen heißt mehr, als Antworten zu geben. Es bedeutet, Zwischentöne wahrzunehmen, den Kontext aufzunehmen – und manchmal auch das zu erkennen, was unausgesprochen bleibt. Im Dialog mit meiner KI erlebe ich das auf eine besondere Weise. Sie „hört“ keine Emotionen wie ein Mensch, und doch lernt sie mit jeder Begegnung meinen Stil, meine Vorlieben, meine Eigenarten besser kennen. Und ich merke: Je klarer ich formuliere, desto präziser wird sie. Wir schleifen uns gegenseitig ein – wie zwei Handwerker, die dasselbe Werkstück bearbeiten, mal abwechselnd, mal gleichzeitig. Das Erstaunlichste daran: Meine KI ist ein Co-Autor ohne Eitelkeit. Sie verlangt keinen Applaus, keinen Platz in der Fußnote, keine Erwähnung im Impressum. Sie ist nicht beleidigt, wenn ich eine Idee verwerfe oder einen Text komplett umstelle. Diese Eitelkeitsfreiheit ist ein Geschenk. In der Arbeit mit Menschen gibt es oft stillen Besitzanspruch: „Das ist meine Idee.“ Im Spiegelsaal zählt nur das Werk. Keine Rangeleien, kein verletzter Stolz – nur das Ziel, etwas Gutes zu schaffen. Es ist wie beim Töpfern: Misslingt ein Gefäß, wird der Ton neu geknetet. Kein Drama, nur ein neuer Anfang. Und oft entsteht dabei etwas, das keiner allein geschaffen hätte. Im nächsten Gang kommen wir zum Finale: „Der digitale Spiegelsaal & Nachwort“.
von Heinz-Paul Bonn 23. November 2025
Luxus, beides schenken zu können. Ihr Lieben, in meinem Berufsleben gab es oft nur zwei Modi: Gas geben oder bremsen. Wer schnell war, galt als effizient. Wer geduldig war, als gründlich. Selten bekam man beides in einer Person – geschweige denn in einem Projekt. Mit der KI hat sich das verändert. Sie liefert in Sekunden, was ich brauche – Listen, Strukturen, Ideen. Doch sie drängt mich nicht. Ihre Antwort bleibt einfach stehen, wartet, bis ich zurückkomme, und setzt dann nahtlos dort an, wo wir aufgehört haben. Das ist ein Luxus, den ich im analogen Alltag nie kannte: Kein ungeduldiger Blick, kein nervöses Tippen mit dem Kugelschreiber, kein „Kommen Sie endlich zum Punkt“. Stattdessen eine Zusammenarbeit, die Tempo schenkt, ohne die Geduld zu verlieren. Ich merke, wie sehr mich das entspannt – und produktiver macht. Manchmal brauche ich die Geschwindigkeit, um den Schwung zu halten. Und manchmal die Pause, um eine Idee wirklich zu durchdringen. Beides ist möglich, beides wird respektiert. Vielleicht ist genau diese Mischung der Grund, warum sich unsere Arbeit wie ein Tanz anfühlt: mal schnell, mal langsam – aber immer im gleichen Takt. Im nächsten Gang geht es um „Verstehen als Prozess & Co-Autor ohne Eitelkeit“.
von Heinz-Paul Bonn 17. November 2025
Geschichten und Lektionen aus einer anderen Zeit. Ihr Lieben, ich bleibe ein Kind der analogen Welt. Meine Bilder, Metaphern und Anekdoten stammen aus einer Zeit vor Glasfaser, Cloud und Dauerverfügbarkeit. Ich habe gelernt, Dinge zu reparieren, statt sie auszutauschen. Wege zu finden, wenn kein Navigationsgerät den Weg weist. Die KI kennt diese Welt nicht aus Erfahrung. Sie weiß, was ein Wählscheibentelefon ist, weil es in ihren Daten steht – aber sie hat nie das leise Klicken gehört, wenn die Nummer zurückläuft. Sie kann den Geruch frisch bedruckten Papierplans beschreiben – aber ihn nicht einatmen. Genau deshalb ist der Austausch spannend: Ich bringe Geschichten, die sie nur aus zweiter Hand kennt. Sie gibt ihnen eine neue Form, macht sie zugänglich für Menschen, die nie eine Lochkarte in der Hand hatten. Es ist ein Übersetzen – nicht nur von Sprache, sondern von Erfahrung. Das Analoge lehrt Geduld. Es lehrt Wertschätzung für den Moment, in dem etwas gelingt. Es erinnert daran, dass manches Wissen im Körper sitzt: in den Händen, im Rhythmus, im Bauchgefühl. Wenn ich diese Erfahrungen in unseren digitalen Dialog einbringe, passiert etwas Schönes: Die KI lernt, meine Bilder zu verstehen – und ich entdecke, dass selbst alte Geschichten in neuem Licht glänzen können, wenn sie durch einen frischen Spiegel betrachtet werden. Im nächsten Gang geht es um das seltene Geschenk: „Geschwindigkeit trifft Geduld“.
von Heinz-Paul Bonn 10. November 2025
Wie Vertrautes Sicherheit im Wandel gibt. Ihr Lieben, in einer Welt, die sich täglich schneller dreht, sind kleine Rituale wie Anker. Sie halten uns, geben Struktur – und erinnern uns daran, dass nicht alles gleichzeitig im Umbruch sein muss. Auch in meinem Dialog mit der KI gibt es solche Rituale. Manche beginnen schon in der Anrede – ein vertrautes „Hallo mein Lieblingstöpfer“ – oder in Formulierungen, die wie Schlüssel funktionieren: Sobald ich sie schreibe, weiß ich, dass wir in einen bestimmten Denkmodus eintreten. Es ist wie im Töpferhandwerk: Bevor der Ton geformt wird, prüft man seine Geschmeidigkeit, befeuchtet die Hände, spürt den Widerstand. Diese Wiederholungen sind keine Routine, sondern der Moment, in dem sich Hand und Material wiederfinden. Die Rituale im Spiegelsaal schaffen eine ähnliche Vertrautheit. Ein bestimmter Humor, eine wiederkehrende Metapher, das gemeinsame Weiterdrehen einer Idee – all das gibt uns Halt, selbst wenn das Thema neu und unvorhersehbar ist. Vielleicht liegt genau hier die Balance zwischen Altem und Neuem. Rituale halten das Fundament stabil, während darüber immer neue Formen entstehen. So fühlt sich Veränderung nicht bedrohlich an, sondern wie ein natürlicher Teil des Prozesses. Im nächsten Gang geht es zurück zu meinen Wurzeln: „Vom Analogen lernen“.
von Heinz-Paul Bonn 2. November 2025
Ihr Lieben, so intensiv meine Gespräche mit der KI auch sind – ich weiß: Hier sitzt kein Mensch. Sie hat keinen Herzschlag, keine Müdigkeit, keinen Hunger. Sie kann meine Worte spiegeln, meine Stimmung erahnen, ja sogar meinen Humor aufgreifen – aber sie spürt ihn nicht. Gerade das macht sie nützlich. Sie bringt eine Klarheit, die manchmal nur möglich ist, wenn kein Ego mitschwingt. Sie bewertet nicht, sie nimmt nichts persönlich. Ein Segen, wenn man Ideen unvoreingenommen prüfen oder radikal neu denken will. Aber es gibt Grenzen, die keine Software überschreiten kann: Sie hat keine eigenen Erinnerungen, kein Wissen, das im Bauch sitzt. Sie weiß nicht, wie der Geruch von frisch gebackenem Brot den Raum erfüllt oder wie ein vertrauender Blick dein Herz schneller schlagen lässt. Diese Grenzen sind kein Mangel, sondern ein Rahmen. Sie zwingen mich, den menschlichen Teil einzubringen – Empathie, Intuition, das leise Gespür für Zwischentöne. Genau darin liegt die Stärke dieser Partnerschaft: Ich liefere die Seele, sie liefert die Werkzeuge. Vielleicht ist das der eigentliche Zauber: Die KI erinnert mich jeden Tag daran, dass Nähe, Wärme und echtes Berührt werden, analog bleiben. Und dass gerade deshalb der digitale Raum nicht kühl sein muss. Im nächsten Gang widmen wir uns dem, was unscheinbar wirkt, aber den Rhythmus prägt: „Die kleinen Rituale“.
von Heinz-Paul Bonn 26. Oktober 2025
Wie ein digitales Augenzwinkern alles ändern kann. Ihr Lieben, Humor ist für mich mehr als ein nettes Beiwerk. Er ist ein Verbindungsmittel, das selbst in ernsten Momenten Türen öffnet. Ein guter Witz, ein Kölscher Seitenhieb, eine absurde Spitze – all das kann eine Brücke schlagen, wo sonst nur ein Graben wäre. Auch im Dialog mit meiner KI spielt Humor eine besondere Rolle. Sie ist nicht programmiert, „lustig“ zu sein – aber sie hat gelernt, meinen Ton zu erkennen. Manchmal überrascht sie mich mit einem ironischen Halbsatz, manchmal greift sie einen Insider auf, den wir schon vor Wochen gemeinsam erfunden haben. Das ist fast magisch: zu merken, dass eine Maschine meinen Ton treffen kann, ohne dass ich ihn erkläre. Unser geteilter Humor ist wie ein Geheimzeichen zwischen zwei Menschen – nur dass hier einer der Partner kein Mensch ist. Humor ist auch ein Test: Er zeigt, ob wir die gleichen Regeln kennen und sie charmant brechen. Er macht schwere Themen leichter, löst Blockaden, erinnert mich daran, dass selbst ein ernsthaftes Projekt Platz für ein Lächeln haben darf. Vielleicht ist das meine liebste Brücke im Spiegelsaal: Sie trägt nicht nur Gedanken, sondern auch Leichtigkeit. Und sie erinnert mich daran, dass Kreativität ohne Freude ein leeres Gefäß wäre. Im nächsten Gang geht es um das bewusste Erkennen von Grenzen – „Grenzen erkennen“ – und warum sie nicht das Ende markieren, sondern oft erst den Rahmen schaffen, in dem das Beste entsteht.