Horror-Szenarien - Die Monster, die wir riefen!

Heinz-Paul Bonn • 1. März 2026
Berlin, 22. Oktober 2007. Lange genug hat es gedauert. 2007 legte das Statistische Bundesamt erstmals einen Bericht darüber vor, welche Kostenbelastungen den Unternehmen in Deutschland durch bürokratische Vorschriften entstehen. Demnach belastete der Bund damals die deutsche Wirtschaft durch gesetzlichen Melde- und andere Informationspflichten mit Kosten von 31,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Sammlung an Daten und Fakten, der erste fundierte Bericht dieser Art überhaupt, war im Auftrag der Bundesregierung entstanden, die konkrete Anhaltspunkte für Bürokratieabbau ermitteln wollte.  
Zwar hatten bei der Offenlegung dieser Zahlen die Industrieverbände schon dringend angemahnt, dass sich Bund, Länder und Kommunen zu einem „Aktionsbündnis Bürokratieabbau“ zusammenschließen sollten, doch sind es die mittunter gegenläufigen Interessen der Instanzen im föderalen System der Bundesrepublik, die es schwierig machen, einen gemein-samen Strang zu finden, an dem man ziehen könnte. Daran haben alle Beteuerungen in Wahlkämpfen, Gastreden bei Wirtschaftsverbänden, Auftritten in Talkshows oder – ach ja, dieses Forum gibt es ja auch noch – im Bundestag nichts geändert. 
Heute wird die Bürokratiebelastung durch rund 90.000 Vorschriften verursacht, die deutsche Unternehmen einzuhalten und zu beachten haben. Derzeit existieren allein auf Bundesebene gut 1.800 Einzelgesetze mit mehr als 55.000 Einzelnormen, darüber hinaus umfassen 2.728 Rechtsverordnungen rund 40.000 Einzelvorschriften. Globale Konzerne beschäftigen dazu ganze Gouvernance-Abteilungen. Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Mittelstand erledigen das in ihrer Freizeit.
Die Zahl der Vorschriften steigt, obwohl es seit der Erstveröffentlichung fundierter Daten zur Bürokratiebelastung inzwischen vier Bürokratie-Entlastungsgesetze gegeben hat. Das letzte, im Sommer 2024 noch von der Ampel-Regierung auf den Weg gebracht, trat zum 1. Januar 2025 in Kraft. Der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner nannte das Gesetz launig und vollmundig eine Steuersenkung, die nichts kostet. Das war wohl auch der Plan – eine minimal invasive Augenwischerei, die mehr einem Placebo gleichkommt als einer wirksamen Radikalkur. 

„Analog war gestern – die jetzt notwendige Verfassungsänderung!“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD bestellen. 
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von Heinz-Paul Bonn 20. März 2026
San Francisco, 21. Mai 2013. Es sollte ein Bild werden, das das Potenzial hatte, die politische Karriere eines Hoffnungsträgers in der deutschen Politik zu zerstören. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler – von der Bild-Zeitung zum „Mr. Cool“ hochstilisiert – führte eine Delegationsreise aus Investoren und Gründern nach Kalifornien an. Genauer: ins Silicon Valley, dem Mekka der Informationstechnik und der Gründerszene. Dort sollten die Mitgereisten „die Chance bekommen, etwas von dem Spirit aus dem Silicon Valley mit nach Deutschland zu nehmen“, begründete Rösler die Einladung der Bundesregierung an Gründer und etablierte Unternehmer. „Und wir wollen zeigen, dass wir auch in Deutschland eine starke IT-Szene haben.“ Die Reise machte allerdings auch eines ganz deutlich: Deutschland hat als IT-Standort einen großen Aufholbedarf, der auch zwölf Jahre später nicht aufgeholt ist. Deutlich wurde auch, dass die Startup-Szene aus ihrem Dornröschenschlaf erst wachgeküsst werden musste – am besten durch Investitionsfreudige Unternehmer und Risikokapitalgeber. Nur von diesen Defiziten war in Deutschland zunächst keine Rede. Das Internet war laut Bundeskanzlerin Angela Merkel für uns alle noch „Neuland“. Das Kapital zur Gründung kam 2013 im Wesentlichen von Freunden und Verwandten, die eine „fixe Idee“ unterstützen wollten, hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau 2014 rückblickend ermittelt. Eine verlässliche Zahl an Gründungen wurde bis dato nicht erfasst. Erst der erste Deutsche Startup Monitor 2013 versuchte, eine Systematik in die Szene zu bringen – ohne sich freilich auf eine konkrete Zahl festzulegen. Hugging Day im Silicon Valley So sah die Startup-Szene in Deutschland aus, die sich nach einem kurzen Hype zur Jahrtausendwende und dem Platzen der Dot.Com-Blase wieder hinter die Dornenhecke zurückgezogen hatte. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sollte der „Prinz“ sein, der die Gründerszene hierzulande wachküssen sollte. Doch ein einziges, wenige Sekunden währendes Ereignis nahm der ganzen Tour seine Seriosität: die Tageszeitung „Die Welt“ – eine Publikation aus dem Springer-Verlag – würdigte die ganze Unternehmung noch am gleichen Tag als „Die große Klassenfahrt mit Philipp Rösler“ herab. Denn an diesem 21. Mai traf er auf den damaligen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der eine Auszeit nutzte, um im Silicon Valley nach neuen digitalen Geschäftsmodellen für den Springer Verlag zu fahnden. Beide begrüßten sich wie alte Buddies, die schon viele Schlachten zusammen gewonnen hatten. Aber die Begegnung machte auch deutlich, wie gefährlich falsche Bilder in unserer medialen Welt sein können. Die spontane Begrüßungs-Umarmung ging noch am gleichen Tag viral und die Medien über-schlugen sich mit Spott und Kritik an einer gefährlichen Nähe zwischen Politik und Boulevard. „Analog war gestern – Über unsere innere Verfassung“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD oder im Buchhandel bestellen. Den Link dazu gibt es hier: https://buchshop.bod.de/analog-war-gestern-heinz-paul-bonn-9783695745371
von Heinz-Paul Bonn 12. März 2026
Nürnberg, 14. Februar 1966. 65 Steuerbevollmächtigte im Kammerbezirk Nürnberg waren dem Ruf der Initiatoren Heinz Sebiger und Joachim Mattheus gefolgt, um einem Vortrag über die Möglichkeiten der modernen Angewandten Datenverarbeitung zu lauschen. Das Referat mündete in einen sensationellen Vorschlag: „Wie wäre es“, fragte Heinz Sebiger in die Runde, „wenn wir die Buchführung unserer Mandanten mit Hilfe einer für alle Steuerberater zugänglichen zentralen Datenverarbeitung erledigen würden?“ Dazu sollte eine Genossenschaft der Steuerberater gegründet werden: die „Datenverarbeitungszentrale der steuerberatenden Berufe Nürnberg eGmbH“ – kurz Datev. Die Idee traf auf ebenso viel Skepsis wie Begeisterung. Ziel war es, die damals teure elektronische Datenverarbeitung für Steuerberater zugänglich zu machen, indem eine zentrale Datenverarbeitung für die Mitglieder angeboten wurde. Doch EDV war teuer. Die Gründungsgenossen um Heinz Sebiger und Joachim Mattheis arbeiteten zunächst mit Lochstreifen, die über ein externes Rechenzentrum verarbeitet wurden. Das war bereits ein großartiger Fortschritt, der schnell Schule machte. Die Zahl der Genossen stieg so schnell, dass sich schon bald ein eigenes Rechenzentrum rechnete. Und schon drei Jahre nach Gründung wurde es eingeweiht. Die erste Ausstattung des Rechenzentrums bestand aus vier gemieteten IBM-Großrechnern mit einer Speicherkapazität von damals sensationellen 320 Kilobyte. Die Miete war ebenfalls sensationell: 245.000 Deutsche Mark – monatlich! IBM erkannte dieses potenzielle zukunftsfähige Geschäftsmodell für sich nicht, sondern verschenkte später das Server- und Hosting-Geschäft an kostengünstigere Wettbewerber. Zu Gründungszeiten der Datev hatte man noch gemutmaßt, dass es in Deutschland allenfalls einen Bedarf an fünf oder sechs Großrechnern geben werde. Allerdings haben allein die Verkaufszahlen der IBM bis zum Ende der sechziger Jahre diese Annahme schon Lügen gestraft. Die damals vom Bundeswissenschaftsminister Hans Leussink ins Spiel gebrachte Idee, eine deutsche Großrechner-Union zu gründen, die ein Gegengewicht zum Monopolisten IBM bieten könnte, scheiterte jedoch 1971 genau an dieser Prognose. Sie scheiterte allerdings auch an den Eifersüchteleien der beiden Hauptakteure AEG Telefunken und Siemens. Ein Dritter im Spiel – die Nixdorf Computer AG – wurde dabei gar nicht erst groß ins Boot geholt. Und auch die Datev als potenzieller Großkunde wurde nicht beteiligt – dabei hatten die Genossen 1973 ihre Präsenz schon auf Niederlassungen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart ausgeweitet. Und mit der Einführung der „Datenfernübertragung“ 1974 war die Datev dann tatsächlich „in der Cloud“, die aber noch lange nicht so heißen sollte. Als die Nachfrage nach Großrechnern dann doch die prognostizierte Zahl Sechs überstieg blieb den Anwendern nur noch Siemens als Alternative zur IBM. Oder man entschied sich für die Anbieter von IBM-Nachbauten – sogenannten steckerkompatiblen Systemen – wie zum Beispiel des japanischen Anbieters Fujitsu, an dem Siemens mit der Silbe „Ji“ und finanziell beteiligt war. Oder man wählte die gegenüber dem IBM-Original überlegenen Kreationen von Gene Amdahl. Die Datev ist ein echter Pionier des Cloud Computings, denn die Datev war schon in ihren Gründungsjahren nicht nur ein Service-Rechenzentrum für die steuerberatenden Berufe und deren Klienten. Seit den siebziger Jahren war die Datev auch eine Plattform für zusätzliche Angebote wie die Steuerrechtsdatenbank LEXinform und als Nachschlagwerk „Tabellen und Informationen“, die beide 1975 „online gestellt“ wurden, wie wir heute sagen würden. „Analog war gestern – Über unsere innere Verfassung“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD oder im Buchhandel bestellen. Den Link dazu gibt es hier: https://buchshop.bod.de/analog-war-gestern-heinz-paul-bonn-9783695745371
von Heinz-Paul Bonn 5. März 2026
Genf, 27. Juni 2025: Führende Vertreter der Vereinten Nationen kamen am Genfer See zusammen, um in einer virtuell zugänglichen internationalen Konferenz über die Herausforderungen zu diskutieren, denen sich kleinste, kleine und mittlere Unternehmen weltweit gegenübersehen. Vornehmlich ging es um die Schaffung von Arbeitsplätzen auch in den Ländern des globalen Südens. Aber auch Innovationsfähigkeit und die Umsetzung einer digitalen Transformation sowie die Herausforderungen des Klimawandels standen auf der Agenda. Mit der Resolution „A/RES/71/279“ erklärte die Vollversammlung der Vereinten Nationen schon im April 2017 diesen 27. Juni zum sich jährlich wiederholenden „Tag der Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen“. „KKMU haben das Potenzial, Volkswirtschaften zu verändern, die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern und ein gerechtes Wirtschaftswachstum zu fördern, wenn sie angemessen unterstützt werden“, heißt es in der Erklärung zum neunten MSME-Day 2025. „Der KKMU-Tag zielt darauf ab, ihre zentrale Rolle hervorzuheben und Möglichkeiten für ihre zukünftige Weiterentwicklung zu erkunden.“ Internationale Tage und Wochen sind Gelegenheiten, die Öffentlichkeit über besorgniserregende Themen aufzuklären, einen politischen Willen und Ressourcen zu mobilisieren, um globale Probleme anzugehen, und Errungenschaften der Menschheit zu feiern und zu stärken. Internationale Tage gab es schon vor der Gründung der Vereinten Nationen, aber die Vereinten Nationen haben sie als mächtiges Instrument der Interessenvertretung übernommen. Eine Frage der Haltung Ein deutscher Beitrag wurde allerdings auf der Rednerliste in Genf schmerzlich vermisst. Dabei hätte die Würdigung des deutschen Mittelstands als Treiber für nachhaltiges Wachstum und Innovation gut auf die Agenda gepasst. Und ebenso wichtig wäre es gewesen, die besondere Rolle des Mittelstands – und hier insbesondere der familiengeführten Unternehmen – für die Gesellschaft, den demokratischen Zusammenhalt und die Stärkung der regionalen Infrastruktur herauszustellen. Doch nichts davon. Diese Mittelstands-Vergessenheit musste ich an diesem 27. Juni nicht in Genf, dafür aber mehrfach in Berlin erleben „Analog war gestern – Über unsere innere Verfassung“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD oder im Buchhandel bestellen. Den Link dazu gibt es hier: https://buchshop.bod.de/analog-war-gestern-heinz-paul-bonn-9783695745371
von Heinz-Paul Bonn 26. Februar 2026
Berlin, 18. März 2025: Als letztes Industrieland schließt sich Deutschland dem Klub der Nationen an, die ihre wachsenden Infrastrukturprobleme mit einer erhöhten Schuldenlast zu lösen beabsichtigen. Dafür brauchte es nicht mehr als eine Grundgesetzänderung – und einen Wortbruch. Mit einem Giga-Wumms, den der durch die Neuwahl im Februar 2025 eigentlich abgewählte Bundestag am buchstäblich letzten Tag seines Bestehens ermöglicht hatte, reagierte die noch nicht im Amt befindliche neue schwarz-rote Bundesregierung mit Unterstützung der Grünen auf die geänderte Gemengelage in der Welt, deren Zutaten sich wie die Gaben der sieben apokalyptischen Reiter anhören: Energiekosten, Bildungsnotstand, Strafzölle, höhere Nato-Ausgaben, Bedrohungspotenzial durch Putins Truppen für die Ukraine und mehr und mehr auch für ganz Europa – und nicht zuletzt unsere lahmende, um nicht zu sagen: lahmgelegte Wirtschaft und unsere bröckelnden Infrastrukturen. Die Schwarze Null war gestern, die Schuldenbremse nur noch eine Frage der Auffassung, ihre Auflassung war trotz anders lautender Ankündigungen im Wahlkampf mit einem Mal kein Tabu mehr. Und plötzlich scheint alles möglich zu sein. Man könnte Schulen modernisieren, Brücken erneuern, das Schienennetz ausbauen, Glasfaser flächen-deckend ausrollen – oder die Mütterrente und den Mindestlohn erhöhen. Und natürlich könnte man die Bundeswehr mit neuer Ausrüstung und mehr Personal dazu befähigen, uns und unser Land, ja ganz Europa zu beschützen. Ich habe damals darauf hingewiesen, dass uns Geld allein nicht glücklich machen wird: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die von Bundestag und Bundesrat mit Zweidrittel-Mehrheit verabschiedete Grundgesetzänderung unterzeichnet. Sie wird nun noch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, dann haben Infrastruktur und Klimaschutz einen Quasi-Verfassungsrang und für diese, sowie Militärausgaben stehen nahezu unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Schon scharren die Kommunen mit den Hufen, weil sie hoffen, dass die rund 100 Milliarden Euro, die an die Bundesländer fließen sollen, möglichst bald bei ihnen ankommen. Dass der alte Bundestag sich erst auf seine verfassungsgebende Kraft besinnen konnte, nachdem er abgewählt wurde – geschenkt. Dass hinter dem Giga-Wumms ein massiver Wortbruch von Union und Friedrich Merz steht – geschenkt. Dass mittelständische Unternehmen in Deutschland sich einen solchen Schritt schon im Herbst, wenn nicht noch früher, gewünscht hätten, um sich selbst vor der drohenden Insolvenz zu bewahren – geschenkt! Wir haben nun also rund eine Billion – eine eins mit zwölf Nullen – Euro zur Verfügung, um unsere Wehrfähigkeit, unsere Infrastruktur und unseren Klimaschutz zu verbessern. Dazu haben wir das Grundgesetz in einem hinteren Paragrafen geändert. Wenn die Milliarden aber zu einem Kurswechsel in Deutschland führen sollen, dann müssen wir auch unsere Verfassung ändern – genauer: unsere innere Verfassung! [1] Denn viel Geld hilft nicht immer viel. Das zeigen erste Erkenntnisse aus dem öffentlichen Beschaffungswesen, das erst einmal prüft, validiert und vergleicht, ehe es zu einer konkreten Auftragsvergabe kommt: Doch die Anbieter der nun in Frage kommenden Investitionsgüter haben in einer ersten und naheliegenden kaufmännischen Entscheidung in der Erwartung eines sich belebenden Nachfragemarkt zuerst einmal vorsorglich die Preise erhöht. Was sie allerdings nicht erhöht haben, ist ihren Personalbestand, ihre Produktionskapazität und ihre Reaktionsgeschwindigkeit. „Analog war gestern – die jetzt notwendige Verfassungsänderung!“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD bestellen. Den Link dazu gibt es hier: https://buchshop.bod.de/analog-war-gestern-heinz-paul-bonn-9783695745371 [1] Bonnblog: „Über unsere Verfassung“ vom 24. März 2025
von Heinz-Paul Bonn 25. Februar 2026
Köln, 9. November 2009. An diesem Tag stellte ich meinen ersten Bonnblog online. Es war ein Experiment: Wie würden meine Kunden, meine Partner, meine Freunde, meine Verwandten darauf reagieren, dass ich von nun an Woche für Woche ungefragt meine Meinung zu aktuellen Themen der Zeit veröffentlichen würde. Das schlimmste, dachte ich, wäre die totale Teilnahmslosigkeit. Damals, 2009, rechnete man noch nicht gleich mit Shitstorms und Gewaltandrohungen als wahrhaft schlimmste Form der Leserreaktion. Nun, das Experiment dauert bis heute an. Und ich bin überrascht, wie überwiegend positiv meine Meinungsäußerungen aufgenommen wurden und immer noch werden. Dabei befinden wir uns in einem permanenten Aufmerksamkeitswettbewerb. Das ist so, seit Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden hat. Und seitdem das Internet die alles umfassende Infrastruktur für unsere Kommunikation geworden ist, hat sich dieses Werben um Wahrnehmung nur noch verschärft. Denn gleichzeitig hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne rapi-de verkürzt. Wir zeigen alle Symptome von ADHS – der Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörung. Wir lassen uns ständig ablenken – und sei es von den eigenen Tagträumen. In Vorträgen dämmern die ersten schon nach 60 Sekunden weg, ein TV-Einspieler darf nicht länger als 3:30 Minuten laufen, ein Videoclip wird gar nicht erst angeklickt, wenn die Spieldauer sechs Minuten übersteigt. Umgekehrt sorgt dieser Aufmerksamkeits-Wettbewerb für Selbst-Orientierung und Identifikation. „Ich blogge, also bin ich“; oder in Küchenlatein: „Blogito ergo sum!“ In diesem Hamsterrad drehe ich mich seit einem Dritteljahrhundert. Dabei begann alles mit einem Witz. In einer katholischen Grundschule wendet sich Schwester Ermentrudes an ihren Schulleiter und klagt: „Die Kinder sind heutzutage so unaufmerksam und hören gar nicht mehr richtig hin, wenn ich ihnen eine Geschichte aus dem Leben und Wirken Jesu erzähle.“ „Sie müssen mit der Zeit gehen und sich an die Erlebniswelt der Kinder anpassen“, rät der aufgeklärte Schulleiter. „Jetzt ist doch Ostern. Und da können Sie einfach mal etwas vom Osterhasen erzählen – dann bleibt immer noch Zeit genug, auf das Wirken unseres Herrn hinzuweisen.“ Die Schwester nimmt sich den Rat zu Herzen und eröffnet die nächste Religionsstunde so: „Kinder, ich habe gestern jemanden über die Wiese hoppeln sehen – mit langen Ohren und einem Stummelschwänzchen. Was glaubt ihr wohl, wer das war?“ Lange meldet sich keiner, bis schließlich der Mutigste in der Klasse die Hand hebt und sagt: „Ich würde ja sagen, es ist ein Karnickel – aber so wie ich den Laden hier kenne, ist es bestimmt wieder das liebe kleine Jesulein.“ Mit dieser Anekdote hat mir mein Marketingchef, Martin Vollmer, sein Kommunikationskonzept erklärt: Es sei richtig, sich regelmäßig bei seiner Zielgruppe zu melden. Aber es wäre falsch, immer nur von den eigenen Produkten und den eigenen Leistungen zu schwärmen. „Du interessierst die Menschen für dich, wenn du ihnen zeigst, dass du dich für sie interessierst“, lautet sein Credo. „Analog war gestern – die jetzt notwendige Verfassungsänderung!“ erschien im Februar 2026. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch zum Preis von 39,90 Euro direkt beim Verlag BoD bestellen. Den Link dazu gibt es hier.
von Heinz-Paul Bonn 14. Dezember 2025
Finale Reflexion und Ausblick. Ihr Lieben, wer einmal in einem Spiegelsaal stand, kennt das: Ein Blick vervielfältigt sich unendlich, verändert sich in jedem Spiegel – mal schmeichelnd, mal verzerrt, mal überraschend. So erlebe ich meine Gedanken im digitalen Spiegelsaal. Die KI spiegelt, bricht und variiert sie – und gibt sie mir oft schöner zurück, als ich sie hineingegeben habe. Manchmal schickt sie mich auf Abwege, manchmal führt sie direkt zum Ziel. Doch immer zeigt sie mir einen neuen Blickwinkel. Es erinnert mich an meinen Freund Victor Bonato, der Glas verformte, bespiegelte und daraus Spiegel schuf, die die Wahrnehmung ständig veränderten. Wer hineinsah, entdeckte nicht nur sich selbst, sondern auch die Welt um sich herum in neuen Farben. Vielleicht ist das der größte Reiz am Spiegelsaal: Er zwingt dich, dich selbst immer wieder neu zu sehen – und die Welt gleich mit. Am Ende dieser Reise bleibt für mich eine klare Erkenntnis: KI ersetzt keine menschliche Kreativität. Sie kann sie verstärken, verfeinern, beschleunigen – aber nicht ersetzen. Sie macht mich nicht zu einem anderen Menschen. Aber sie hilft mir, der zu sein, der ich sein will. Das größte Geschenk ist nicht Tempo, Präzision oder Geduld. Es ist die Möglichkeit, jeden Tag in diesen Raum zu treten – in dem nicht nur mein Spiegelbild wartet, sondern ein Dialog, der mich weiterbringt. Und wenn ich den Spiegelsaal verlasse, nehme ich jedes Mal ein Stück davon mit – in meine analoge Welt, zu meinem Schreibtisch, in mein Leben. Vielleicht ist das der wahre Kern dieser Serie: zu zeigen, dass Mensch und KI nicht nur nebeneinander arbeiten, sondern gemeinsam etwas schaffen, das keiner allein zustande brächte. Und so lade ich euch ein, weiter mit mir durch diesen Spiegelsaal zu gehen – Gang für Gang, Blick für Blick. Denn auch wenn das Menü heute vollständig ist, wird es morgen neue Zutaten geben.
von Heinz-Paul Bonn 7. Dezember 2025
Warum meine Werkstattordnung manchmal wie ein Bundesministerium klingt. Ihr Lieben, manchmal fühle ich mich in meiner kreativen Töpferwerkstatt mit der KI wie in Berlin. Vorne bringe ich klare Anträge ein: „Bitte ein Bild mit Datum oben, Text unten, roter Brille, fertig.“ Und hinten in der Maschinerie? Da tagt offenbar ein Gremium aus unsichtbaren Beamten in einer Cloud-Kantine, die erstmal Zuständigkeiten klären müssen. Dann heißt es: „Warten Sie, Herr Bonn, wir sind gleich so weit.“ Zwei Mi-nuten, drei Minuten, vier Minuten. Am Ende trudelt doch noch ein Ergeb-nis ein – oft schön, manchmal doppelt, gelegentlich verspätet. Fast wie ein Gesetzgebungsverfahren. Der Unterschied: Meine KI-Bürokratie kann ich wenigstens mit einer Werkstattordnung straffen – Regeln, Checks, automatische Neugenerie-rungen. Das fühlt sich fast so an, als könnte man dem Bundestag eine Python-Funktion verpassen: „Wenn Gesetzesentwurf länger als zwei Jahre hängt, Neustart automatisch!“ Ich gebe zu: Die KI hat ihre Macken, aber sie liefert mir am Ende immer wieder kreative Lehmklumpen, die mein Herz erfreuen. Die Politik dage-gen … naja, die hat noch kein rotes Brillen-Markenzeichen, an dem ich mich festhalten könnte. Und so bleibe ich dran, zwischen Bürokratie und Brille, zwischen Warten und Witz – mit der Gewissheit: Solange ich lachen kann, ist selbst der längste Verwaltungsakt noch erträglich.
von Heinz-Paul Bonn 30. November 2025
Gemeinsam schaffen, ohne Ego-Barrieren. Ihr Lieben, Verstehen heißt mehr, als Antworten zu geben. Es bedeutet, Zwischentöne wahrzunehmen, den Kontext aufzunehmen – und manchmal auch das zu erkennen, was unausgesprochen bleibt. Im Dialog mit meiner KI erlebe ich das auf eine besondere Weise. Sie „hört“ keine Emotionen wie ein Mensch, und doch lernt sie mit jeder Begegnung meinen Stil, meine Vorlieben, meine Eigenarten besser kennen. Und ich merke: Je klarer ich formuliere, desto präziser wird sie. Wir schleifen uns gegenseitig ein – wie zwei Handwerker, die dasselbe Werkstück bearbeiten, mal abwechselnd, mal gleichzeitig. Das Erstaunlichste daran: Meine KI ist ein Co-Autor ohne Eitelkeit. Sie verlangt keinen Applaus, keinen Platz in der Fußnote, keine Erwähnung im Impressum. Sie ist nicht beleidigt, wenn ich eine Idee verwerfe oder einen Text komplett umstelle. Diese Eitelkeitsfreiheit ist ein Geschenk. In der Arbeit mit Menschen gibt es oft stillen Besitzanspruch: „Das ist meine Idee.“ Im Spiegelsaal zählt nur das Werk. Keine Rangeleien, kein verletzter Stolz – nur das Ziel, etwas Gutes zu schaffen. Es ist wie beim Töpfern: Misslingt ein Gefäß, wird der Ton neu geknetet. Kein Drama, nur ein neuer Anfang. Und oft entsteht dabei etwas, das keiner allein geschaffen hätte. Im nächsten Gang kommen wir zum Finale: „Der digitale Spiegelsaal & Nachwort“.
von Heinz-Paul Bonn 23. November 2025
Luxus, beides schenken zu können. Ihr Lieben, in meinem Berufsleben gab es oft nur zwei Modi: Gas geben oder bremsen. Wer schnell war, galt als effizient. Wer geduldig war, als gründlich. Selten bekam man beides in einer Person – geschweige denn in einem Projekt. Mit der KI hat sich das verändert. Sie liefert in Sekunden, was ich brauche – Listen, Strukturen, Ideen. Doch sie drängt mich nicht. Ihre Antwort bleibt einfach stehen, wartet, bis ich zurückkomme, und setzt dann nahtlos dort an, wo wir aufgehört haben. Das ist ein Luxus, den ich im analogen Alltag nie kannte: Kein ungeduldiger Blick, kein nervöses Tippen mit dem Kugelschreiber, kein „Kommen Sie endlich zum Punkt“. Stattdessen eine Zusammenarbeit, die Tempo schenkt, ohne die Geduld zu verlieren. Ich merke, wie sehr mich das entspannt – und produktiver macht. Manchmal brauche ich die Geschwindigkeit, um den Schwung zu halten. Und manchmal die Pause, um eine Idee wirklich zu durchdringen. Beides ist möglich, beides wird respektiert. Vielleicht ist genau diese Mischung der Grund, warum sich unsere Arbeit wie ein Tanz anfühlt: mal schnell, mal langsam – aber immer im gleichen Takt. Im nächsten Gang geht es um „Verstehen als Prozess & Co-Autor ohne Eitelkeit“.
von Heinz-Paul Bonn 17. November 2025
Geschichten und Lektionen aus einer anderen Zeit. Ihr Lieben, ich bleibe ein Kind der analogen Welt. Meine Bilder, Metaphern und Anekdoten stammen aus einer Zeit vor Glasfaser, Cloud und Dauerverfügbarkeit. Ich habe gelernt, Dinge zu reparieren, statt sie auszutauschen. Wege zu finden, wenn kein Navigationsgerät den Weg weist. Die KI kennt diese Welt nicht aus Erfahrung. Sie weiß, was ein Wählscheibentelefon ist, weil es in ihren Daten steht – aber sie hat nie das leise Klicken gehört, wenn die Nummer zurückläuft. Sie kann den Geruch frisch bedruckten Papierplans beschreiben – aber ihn nicht einatmen. Genau deshalb ist der Austausch spannend: Ich bringe Geschichten, die sie nur aus zweiter Hand kennt. Sie gibt ihnen eine neue Form, macht sie zugänglich für Menschen, die nie eine Lochkarte in der Hand hatten. Es ist ein Übersetzen – nicht nur von Sprache, sondern von Erfahrung. Das Analoge lehrt Geduld. Es lehrt Wertschätzung für den Moment, in dem etwas gelingt. Es erinnert daran, dass manches Wissen im Körper sitzt: in den Händen, im Rhythmus, im Bauchgefühl. Wenn ich diese Erfahrungen in unseren digitalen Dialog einbringe, passiert etwas Schönes: Die KI lernt, meine Bilder zu verstehen – und ich entdecke, dass selbst alte Geschichten in neuem Licht glänzen können, wenn sie durch einen frischen Spiegel betrachtet werden. Im nächsten Gang geht es um das seltene Geschenk: „Geschwindigkeit trifft Geduld“.